Astronomische Bibliothek



Dierck-Ekkehard Liebscher



Kosmologie



Einführung für Studierende
der Astronomie, Physik
und Mathematik



mit 47 Abbildungen und 12 Tabellen



Johann Ambrosius Barth
Leipzig - Heidelberg



Vorwort

Der Kosmos ist ein in zweierlei Hinsicht aufregendes Objekt der Wissenschaft. Zum einen begrenzt er alle mögliche Extrapolation der Strukturen und Bewegungsgesetze, zum anderen ist er in einfachster Näherung ganz elementaren Überlegungen offen, die die Gesetze der lokal beobachteten Natur in prinzipiellen Aussagen zusammenfassen. Merkwürdigerweise gibt es aber weder Konsens über den epistemologischen Status noch über die Eingrenzung des Objekts der Wissenschaft Kosmologie. In diesem Buch wollen wir ganz pragmatisch vorgehen und die globale Extrapolation der Physik wie auch die Gesamtgeschichte des sich entwickelnden Universums darstellen. Diese Geschichte ist das Ergebnis einer All-umfassenden Expansion, die die meisten Teilsysteme in einen Zustand fern vom thermodynamischen Gleichgewicht versetzt, obwohl die Expansion selbst als adiabatisch angesehen werden muß.

Die moderne Kosmologie ist eng mit der Physik der elementaren Teilchen und ihrer Wechselwirkungen verknüpft. Die charakteristischen Energieskalen der Elementarteilchen, Atome und Moleküle haben ihr Abbild in den Zeitskalen der Geschichte des Weltalls. Dessen Expansion muß in Zeiten begonnen haben, wo das Universum so heiß war, daß jede in Betracht zu ziehende Energie als thermische Energie realisiert war. Besonders die Prozesse, die man für die Energien der Großen Unitären Theorien erwarten muß, können nur einmal stattgefunden haben, in der fernen Vergangenheit des Kosmos. Ihre Konsequenzen können bestenfalls als Relikte dieser Zeiten beobachtet werden.

Die moderne Kosmologie ist ebenfalls eng mit der Allgemeinen Relativitätstheorie verbunden, und die fundamentale Frage der Relation zwischen jener und der Quantentheorie spiegelt sich in der Frage nach Form und Bedeutung des Anfangs unseres Weltalls wider. Die kosmologischen Modelle offenbaren die abstrakten singulären Eigenschaften der Allgemeinen Relativitätstheorie und aller ihrer Implikationen. Wohl hat die Allgemeine Relativitätstheorie noch andere Eigenschaften, die der Erklärung harren, aber das Weltall in seiner beobachteten Einfachheit wird konsistent nur im Rahmen der gekrümmten Raum-Zeit beschrieben, der entscheidenden Erfindung der Allgemeinen Relativitätstheorie.

Dennoch können die meisten Begriffe νnd Modelle der Kosmologie erläutert werden, ohne sich allzu tief in Quantentheorie und Allgemeine Relativitätstheorie zu versenken. Gerade die Einfachheit der kosmologischen Expansionsbewegung erlaubt es, die meisten Argumente auf phänomenologische Thermodynamik zu reduzieren. Darüber hinaus sind die Einsteinschen Gleichungen für die Expansion des νniversums in unseren Modellen den entsprechenden Newtonschen Gleichungen formal äquivalent.

Dieses Buch soll in die Kosmologie nicht nur mit allgemeinen Bemerkungen einführen, sondern auch die wichtigen Formeln erläutern und deren Herleitung verständlich machen. Der Leser soll nicht nur einen allgemeinen Eindruck von der Argumentationsweise in der Kosmologie erhalten, sondern in die Lage versetzt werden, ausführlichere oder speziellere Literatur zu lesen, ohne zu viel Mühe darauf verwenden zu müssen, allen Formeln und Begriffen den richtigen Platz zuzuweisen. Das Netz der grundlegenden Argumente und Fakten wird also auch im formalen Kontext dargestellt. In diesem Sinne soll das Buch nicht nur eine Einführung sein, sondern auch als Repetitorium dienen.

Das erste Kapitel faßt die grundlegenden Argumente der Kosmologie zusammen, um die Wechselbeziehung der Modellvorstellungen und Beobachtungsergebnisse im Gesamtrahmen herzustellen. Alle diese Argumente werden im folgenden ausführlicher besprochen. Das zweite Kapitel geht auf die Grundlagen der Relativitätstheorie ein, aber nur zur Darstellung der Herkunft der Friedmann-Gleichung, die dann fast allein die Relativitätstheorie summiert. Einschließlich des 7.Kapitels wird der Kosmos als streng homogenes Kapitel im Rahmmen der Friedmann-Modelle behandelt. Es schließen sich die Diskussion der darüber hinausgehenden Fragen an.

Der Werdegang des Buches wurde von vielen Kollegen begleitet. Besonderen Dank schulde ich denen, die die Entstehung und Redaktion des Manuskripts aktiv unterstützt haben: Ulrich Bleyer, Klaudia Liebscher, Volker Müller, Wolfgang Priester, Karl-Heinz Schmidt, Erwin Sedlmayr und Hans-Jürgen Treder.

Juni 1994 Dierck-E.Liebscher




Inhalt

  
 1    Zentrale Probleme
  
 2    Relativität
  
 3    Expansion
  
 4    Geometrie und Expansion
  
 5    Bilanzen und Gewichte
  
 6    Reaktionskinetik und Expansion
  
 7    Strukturbildung und Expansion
  
 8    Inflation
  
 9    Höhere Dimensionen
  
10    Topologische Quasiteilchen
  
11    Quantenkosmologie
  
12    Machsches Prinzip
  
13    Anthropische Aspekte
  
Tabellen   
  
Literatur   
  
Sachverzeichnis   
  
Quellenverzeichnis



Korrekturen zum Lehrbuch

KOSMOLOGIE

mit der Bitte um Zusendung aller weiteren Funde an deliebscher@aip.de !

Stand vom 14.9.2014


1. Druckfehler

Seite 11: Die ausgeworfenen Werte für H im zweiten Absatz enthalten falsche Zehnerpotenzen. Sie müssen lauten

H = 50 km/s/Mpc, H-1 = 20 109 Jahre

und

H = 100 km/s/Mpc, H-1 = 10 109 Jahre
Seite 31: Die Vorzeichen, die Vorzeichen! (2.2): hinter das Gleichheitszeichen gehört erst einmal ein Minus-Zeichen. Entsprechendes gilt ür die nächste Formelzeile. Auch Λ trägt dort und in den folgenden beiden Formeln das falsche Vorzeichen.
Seite 49: In der ersten Zeile muß es

Verzögerungsparameter

heißen. In der letzen Zeile des ersten Absatzes muß

Abb. 3.4
stehen.
Seite 59: In der Formel nach (3.10) ist Λ durch Λ c2 zu ersetzen.
Seite 64: In der letzten Formel vor Beginn des Abschnitts 4.2 ist der Faktor (1-(q+3)z/2) durch (1-(q+1)z/2) zu ersetzen. Es muß heißen

χ[z] = RH/R0 z (1-(q+1)z/2) .
Seite 72: Ganz oben muß es heißen

Mit genügend guten Spektren ihrer strahlungsgetriebenen Winde kann man die physikalischen Größen heißer Sterne bestimmen und diese als Standards verwenden.

Der letzte Absatz dieses Abschnitts sollte mit

Schwieriger zu bestimmende Standardkerzen sind ...

beginnen.
Seite 76: In der elften Zeile ist das Formelzeichen m nicht definiert. m ist die scheinbare Größe, der Logarithmus der Strahlungsintensität am Ort des Beobachters.
Seite 78: Der letzte Satz auf dieser Seite muß statt mit

νmfangreichem statistischen Material

mit

Mit genügend umfangreichem statistischen Material

beginnen.
Seite 79: In der Abbildung 4.8 sind nach der Unterschrift die Seiten vertauscht. Die linke Hälfte der Abbildung zeigt den tatsächlichen Galaxienkatalog, die rechte Seite die Gleichverteilung.
Seite 82: In der letzten Zeile des Absatzes nach Formel (4.10) fehlt das Verb kann. Der Satz heißt

Ist die Bildungsrate auch später noch erheblich, kann die Galaxie noch älter sein.

Seite 84: In der vorletzten Zeile der Seite muß stehen

Das von dem Satelliten IRAS und im Programm QDOT beobachtete ...

Seite 98: In der dritten Formel der Zeile steht der Faktor (ℏ c / kT)3. Er muß ersetzt werden durch den Kehrwert

(kT / ℏ c)3 .

Seite 101: In der Zeile vor Gleichung (6.1) ist für die Photonendichte das Symbol νγ angegeben. Es muß durch das Symbol

nγ

ersetzt werden.
Seite 106: In der ersten Zeile der Tabelle ist die Zahl falsch. Es sollte stehen

2.33 1021 .

In der zweiten Zeile muß in der Spalte l die Compton-Wellenlänge des Leptons ℏ/mLc stehen.
Seite 121: Der erste Satz enthält eine Wortwiederholung. Er muß beginnen:

Die Geschichte des Universums ist dadurch gekennzeichnet, dass

Seite 156: Nach der sonst im Kapitel benutzten Definition von xi muß es in der ersten Formel der Seite

1 + ξ[r] ∝ rD2-3

heißen.
Seite 170: In der sechsten Zeile der Abbildungsbeschreibung muß das Wort ist gestrichen werden.
Seite 172: In der vierten Zeile von unten fehlt ein Bruchstrich. Es muß lauten

T0 = TGUT2 / TPlanck .

Seite 181: In der ersten ausgeworfenen Formel fehlt ein Faktor R (die skalare Krümmung). Sie muß lauten

Rik - gikR/2 = - 8 π G c-4 <Tik> .

Seite 184: Oben ist für die Oberfläche das Symbol O benutzt worden. Das ist ein Lapsus gegen den angekündigten Gebrauch von Ω für die Oberfläche und von O für die Größenordnung.
Seite 207: Am Anfang der dritten Zeile des Abschnitts 11.2 muß es

Spezialfall

heißen.
Seite 233: In der Zehnerpotenz des Zahlenwerts für Lambda fehlt das Minuszeichen. Es muß

Λ = 3.1 10-52 m-2

lauten.
In den fünf letzten Zeilen der Tabelle fehlt der trennende Zwischenraum zwischen der Mantisse und der Zehnerpotenz.

2. Was ich jetzt anders schreiben würde


home home to D.-E. Liebscher
home mail to D.-E. Liebscher

Last updated: see title